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"Skizze", Teil 3:

"Das Leben" (1)

 

II. Frater Baptist Stögers gottinniges  Leben.  

1. Der brave, unschuldige Bauernbub.                

Wie der heilige Kapuzinerbruder Konrad von Parzham ein bayrischer Bauernsohn, so ist der Redemptoristenbruder Baptist Stöger ein Niederösterreichischer Bauernsohn. Es ist ein ganz behäbiges Bauerngut mit Weingarten, Obstanger und Feldern, ein sogenanntes Halblehen, das seine Eltern Josef und Elisabeth, geborene Heindl, als Nr.. 33 in Enzersfeld im Marchfelde besaßen. Als einziger Junge in der kinderreichen Familie hätte der Hans - er war am 4. Oktober 1810 geboren und als Johannes Stöger getauft worden, seine beiden Brüder waren als Kinder gestorben - das Anwesen übernehmen sollen und wäre gewiss ein guter Bauer geworden, doch schlug er es Gott zuliebe aus und überließ es seiner Schwester Rosina, um selbst sich einzig dem Dienste Gottes zu weihen.  

Der Herr hatte ihn zu Höherem berufen.  

Der Herr schenkte ihm, die Gnade einer kerngesunden, reinen, frommen Jugend. Da war es besonders des Vaters Bruder, Onkel Michael Stöger, der auf das Innenleben des jungen besten Einfluss ausübte durch Beispiel, gute Bücher und indem er

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ihn im nahen Wien mit Gnadenstätten und seeleneifrigen Priestern bekannt machte.  

Aber auch im Stögerhause selbst herrschte beste Zucht. Von neun Kindern waren sieben am Leben geblieben, Hans der einzige Bub unter sechs Mädchen. Nicht bloß arbeiten mussten alle von früh bis spät, der Vater las auch die Postille vor, bis das  dann der Hans tun konnte. Gemeinsam wurde gebetet. Alle gingen zu den Sakramenten, zumeist in Wien, die Schulkinder viermal im, Jahr, nach der Schule alle ziemlich jeden Monat. An Samstagen und Sonntagen brannte im Zimmer ein Lämpchen vor dem Marienbilde. Zu den Jausen bekamen alle stets nur ein Stück Brot, an  Fasttagen gar nichts. Jeden Freitag versagte sich  der Vater sogar den gewohnten Trunk Wein, selbst, als in einem Jahre der Christtag auf einen Freitag fiel.  

In dem allen ahmte Hans von früh auf den Vater nach, ja bald versagte er sich an Samstagen und Marientagen selbst das geliebte Obst, wie er an Sonntagen sein Stück Fleisch mit einem Armen teilte. Stets ging er Samstag abends zum gemeinsamen Rosenkranz, stand sogar früher auf, um rechtzeitig abends die Arbeit getan zu haben.

Daneben war er tüchtig in jeder Arbeit. Als Schuljunge erhielt er sogar Prämien' war er der Pünktlichste unter   den Ministranten. Zwar hätte er gerne "auf Priester" studiert, der Vater aber er klärte: "Bei den vielen Kindern  vermögen wir es nicht, das kostet zu viel und dann tätst doch nur a Schreiber werden!" Fr. Baptist sagte später, er wäre wohl gerne Priester geworden, doch sei er dies offenbar „nicht wert gewesen".

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Mit 15 Jahren musste er die Pflege der Pferde übernehmen und seine Liegestätte im Stalle aufschlagen, wo er dann an Samstagen zu Ehren der Muttergottes auf einem harten Brette - auf dem Deckel einer Truhe ­ schlief. Feurige Pferde waren seine Freude, daher kaufte ihm der Vater eigens einen feurigen Hengst zu den nächtlichen Fahrten, durch die er Obst und Gemüse nach Wien auf den Naschmarkt bringen musste.  

Eine tiefe Innerlichkeit gewann der stramme Bursch immer mehr und mehr. Onkel Michael hatte ihm Bücher verschafft, von denen dem Hans die geistlichen am besten gefielen. Später kaufte sich Hans selber solche: Bücher von Passy; Heiligenlegende, eigens eine, wo beim Tagesheiligen täglich auch ein Gebet gedruckt stand; am liebsten Bücher vom hl. Alphonsus. Von diesem Heiligen kaufte er sich ein Bild, das er sich an die Wand seiner Wohnung hing und vor dem er oft  ein Lämpchen anzündete. Jedoch nicht bloß geistliche Bücher fesselten ihn; er kaufte sich auch eine Naturgeschichte mit schönen Bildern, die er allerdings nicht mehr anschaute, da der Vater geschimpft hatte: "So ein dummes Buch kaufen...! Bücher der Welt- und Kirchengeschichte las er, Geschichte Österreichs,  selbst alle Bände von Stolbergs Kirchengeschichte. Zeitlebens war er in derlei bewandert, dass alle staunten. Das Wichtigste war ihm das Religiöse. Jeden Monat wanderte er, oft schon um 2 Uhr nachts aufstehend, nach Wien zur Beichte, zuerst zum Servitenpater Maximums in der Rossau, später zu P. Madlener in Maria Stiegen. Gerne  

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machte er Wallfahrten nach Dreieichen, Lanzendorf, Mariabrunn, zweimal auch nach Mariazell.  

Und doch war nichts, Überspanntes, nichts Abstoßendes an ihm. Er vermied auch sorgfältig alles Auffallende, stets war er der frische, rege, arbeitsame Bauernbursch der seine besondere Freude an Pferden hatte. Alle hatten ihn gern. Besonders die Kinder. Mit dem Stöger Hansl auf dein Ross zu reiten, war die größte Freude, die er jedoch keinem schenkte, der nicht das. Vaterunser, Ave und "Glauben" zu beten wusste. Von Verschiedensten wurde er  als Firmgöd erbeten. Einmal hätte  er an acht Buben zugleich zur Firmung führen sollen. Auch Erwachsene schätzten und liebten ihn.  

Und wie alle in Enzersfeld sang er gern von früh an bis zum Abend. Allerdings fiel es seinen Schwestern auf, dass er nur geistliche Lieder sang, am öftesten das ergreifende: "Laß mich deine Leiden singen."

 

2. Berufswahl

  Der Vater hätte ihn gerne als seinen Nachfolger gesehen. Hans hätte wahrlich eine sehr gute Wirtschaft bekommen. Auch an einer passenden Braut hätte es gewiss nicht gefehlt,' denn mit seinen ‑etwas über 20 Jahren und bei der reizenden Frische seiner Unschuld war er ein hübscher Bursch geworden. Dass er, nie ins Wirtshaus ging, nicht Mädeln nachschlich, waren nur Vorzüge. Doch als man vom Heiraten, sprach, erklärte er: "Heiraten tue ich nicht, eher gehe ich zum Militär“. Daraus schlossen die Seinen, "dass er sich Gott verlobt habe".  

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Priester werden konnte er nicht. Doch Laienbruder in einem Orden konnte er werden. Als er Majorenn war, fragte er daher in Wien bei verschiedenen Klöstern, auch in Maria Stiegen bei den Redemptoristen an, wurde jedoch überall abgewiesen, da er kein Handwerk gelernt hatte, man aber einen Landwirtschafter nicht recht zu verwenden wusste -- da mag er wohl viel gerungen, gebetet und sich mit dem Beichtvater beraten haben. in ehr braver Franziskanerbruder, Didakus, kam zur Weinsammlung. Diesen fragte Hans, ob es gar nicht möglich sei, auch Franziskanerbruder zu werden, er wolle gern nach Palästina gehen. Fr. Didakus aber riet, Hans solle noch ein­ mal bei den Redemptoristen anfragen, denn dort seien die Priester des P. Klemens Hofbauer. Der Ortspfarrer P. Pius Wagner, ein Benediktiner des Schottenstiftes, verschaffte dem Stöger Hans  wirklich auch die  Aufnahme bei P. Passerat in Maria Stiegen.  

Hans war 25 Jahre alt. Am 1. Jänner 1836 feierte Hans Abschied von den sechs Schwestern und Onkel und Eltern. Am 2. Jänner wanderte, er nach Maria Stiegen mit 5000 Kronen Ausstattung und drei Sacktüchern, vollgepfropft mit erbaulichen Büchern.

 

3. Kandidatur und Noviziat

Aufgenommen wurde Hans ins Kloster Maria Stiegen (Wien 1, Salvatorgasse 12). Maria Stiegen ist das älteste Marienheiligtum Wiens; die schöne, gotische Kirche war durch Jahrhunderte, solange Wien und Niederösterreich zum Bistum Passau ge-

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hörten, die Hauptkirche des Diözesananteils als Sitz des "Offizials" (d. i. Generalvikars); in dieser Kirche hielt die Wiener Universität seit je die Festfeier der Unbefleckten Empfängnis; in dieser Kirche predigte seinerzeit auch der heilige Kirchenlehrer Petrus Canisius S. J. Hier war jetzt die Geburtsstätte der außeritalienischen Redemptoristenkongregation. Als deren, höchster Oberer, lebte hier der Generalvikar P. Passerat, dessen Seligsprechungsprozess, bereits eingeleitet ist und in dem Frater Baptist zeitlebens den großen Beter und reinen Lehrmeister im Beten verehrt hat.  

In Weinhaus, Wien 18, besaß, Maria Stiegen ein Landgut. Kandidat Johann, unser Hans, wurde als bäuerlicher Arbeiter zu den Laienbrüdern und Knechten dieses Gutes hinaus versetzt. Zwei Dinge wurden ihm hier schwer: er musste täglich auf einem Karren Milch und Lebensmittel nach, Maria Stiegen in die Stadt schieben; der frische, ehrsame Bauernbursch schämte sich dessen anfangs, fürchtete Landsleuten zu begegnen, nahm er aber als Buße für seine frühere, zu große Freude an stolzen, feurigen Rössern. Das  zweite war eine verwirrende Unordnung in der Arbeitseinteilung. Von zu Haus war er eine stramme, klare Ordnung gewöhnt; hier aber in Weinhaus gab zunächst Pater Minister von Maria Stiegen, dem es zustand, eine Weisungen, oft kam aber dann Pater Rektor, der höhere Obere, und befahl es wieder anders; zuletzt dann Pater Generalvikar Passerat: "Ach, lassen Sie, das, beten Sie lieber ein Ave!" - War dann die Arbeit nicht getan, gabs  vom Pater Minister ein Donnerwetter. Damals begriff Hans

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noch nicht, dass dies mit einer gewissen Absicht geschah, um die Brüder und Kandidaten am blinden, bedingungslosen und erschwerten Gehorsam zu gewöhnen. Er litt sehr, blieb aber geduldig. Alle erbauten sich an seiner Frömmigkeit, an seinem unermüdlichen Arbeiten, an seiner Willigkeit, Bescheidenheit  sanften Heiterkeit und Freundlichkeit. Von Fr. Augustin erlernte er mit Freuden das Brot backen. Und erst nach langem und nur durch einen Zufall kam man darauf, dass er trotz der vielen Arbeit nie ein Frühstück nahm. Als man dies ihm aufdrängen wollte, bettelte er inständig, das "kleine Opfer" bringen zu dürfen, es "tue auch seinem Magen gut".  

Am St. Josefstag 1837 kam Hans nach Eggenburg ins Noviziat. Das dortige Kloster hatte einst der hl. Johannes, Kapistran gegründet, bis zur Aufhebung durch Kaiser Josef II. 1785 hatten dort Franziskaner sehr gut gewirkt. Bis 1830 waren dann Kirche und Kloster verödet gewesen, nun aber waren die Redemptoristen gekommen und hatten seit 1833 das Kloster besiedelt. Vier Jahre später­ schon kam der Hans Stöger dorthin und hier hatte ihm Gott die Stätte seines Lebens und Sterbens er­ koren. Denn in diesem Kloster blieb er von nun ab zeitlebens. 

Zunächst machte er hier unter P. Bruchmann sein Noviziat, bei der Einkleidung erhielt er zunächst den Namen "Fr. Koloman", doch wurde dies geändert und ihm der Name "Fr. Baptist" gegeben.  

P.Bruchmann hatte an ihm einen Musternovizen, fromm war er, stets gehorsam, heiter, bescheiden und ein Arbeiter, der keine Minute verlor. Gern  

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fragte der Novizenmeister bei Dingen in Geschichte gerade ihn, da sich alle erbauten, wie bescheiden Fr. Baptist fast verschämt antwortete: "Ich habe dort und dort gelesen usw." und wie er stets das Richtige wusste.

Am 1. August 1840, am Vorabend des Alphonsusfestes legte Fr. Baptist die Gelübde ab.    

 

4. Gärtner

Der Heiland hat es gefügt, dass nun, Eggenburg der Ort blieb, an dem der Diener Gottes arbeitend, betend, leidend, sterbend sein Leben zu einem Gottesdienste machen sollte.

 

Der lange, schmale Garten des Klosters sollte der Hauptplatz seines Wirkens bilden. P. Hayker hatte eigens verlangt, dass Fr. Baptist in Eggenburg bleibe, da er ein guter Gärtner war. Oft stand er schon um Mitternacht auf, seine Pflanzen zu gießen. Er begnügte sich mit ärmlichen Werkzeugen. Als ihm eine Fußader geplatzt war, wollte er trotzdem bei der Arbeit bleiben, bis ihn drohende Ohnmacht zwang, ins Zimmer zu gehen und man ihm rasch helfen musste, da er sonst verblutet wäre. Noch als er bereits eine Krücke brauchte, jätete er fleißig im Garten.

Fleißig zog er Nutzpflanzen für die Küche. Seine Lieblinge aber waren die‑ Blumen. Gott sollten sie dienen; nur die allerschönsten durften auf die Altäre zu Jesus im Tabernakel oder zu den Bildern der Mutter Maria, oder an den "Christkindltagen" zur Krippe. Alle waren Gott geweiht, das zeigte schon  

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die Gewohnheit des heiligmäßigen Gärtners, Blumenbeete in den Formen des Herzens Jesu und des Herzens Maria anzulegen.

 

5. Der unermüdliche Arbeiter  

"Arbeiten müsst ihr", sagte Fr. Baptist einmal zu seinen Verwandten, "als hättet ihr ewig zu leben, und beten müsst ihr, als müsstet ihr heute  schon sterben". ‑ So hielt er es selbst. Sein Leben war mit Gebet geheiligte Arbeit. Nie war er verdrossen, nie, schlecht gelaunt, stets heiter, freundlich, liebevoll. Stets arbeitete er und sang dabei fromme Lieder. Glaubte er sich unbeobachtet, kniete er hin, hob Augen und Hände zum Himmel, sich und alles dem lieben Gott aufzuopfern. Besonders gern tat er dies in der Backstube, in der er für das Kloster und die Armen das Brot buk. 

Seine Hauptarbeit hatte er im Garten. Als dies ihm infolge Alters und Krankheit zu schwer zu werden schien, wollte man sie ihm abnehmen, doch bat er inständig, daß man sie, ihm lasse, daß er doch in etwas dienen könne. Lobte man seine Arbeit, sprach er: "Wir sind nur zum Setzen da, wenn es unser Herrgott nicht wachsen lässt, wird unsere Arbeit nichts“.

Als guter Arbeiter war er nicht darauf versessen, bloß Gartenarbeit zu tun. Er half, wo man ihn brauchte. In der Küche z. B., wenn Gäste da waren. Er wusste alles so schön herzurichten, als hätte er "zarte Frauenhände". - Als er schon ganz alt und arbeitsunfähig war, schleppte er sich täglich in die Küche und bat um Arbeit und war es auch Kartoffelschälen.

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Fast überarbeitet hat er sich, als beim Haus­ Umbau viel Schutt fortzuführen war. Unermüdlich fuhr er mit seinem Schubkarren. Zum Staunen aller vollbrachte er die unermessliche Arbeit ganz allein. Die Stadtmauer wurde eine große Strecke weit um zwei Meter erniedrigt. Die Steine  dienten einerseits zur Erhöhung eines Gartenteiles, andererseits besonders zum Bau der gotischen Beichtkapelle. Wieder war es Fr. Baptist, er in schwerster Arbeit die Steine schleppte und den Schutt wegschaffte. Gerne tat er es besonders für die Kapelle. Er ahnte wohl nicht, daß diese Kapelle einst seine Ruhestätte werden sollte..

 

6. Das Jahr 1848.  

  Seit acht Jahren war er Ordensmann. Nun sollte sein Beruf plötzlich in Frage gestellt werden. Die Revolution war ausgebrochen; am 6. April hatte man die Patres aus Maria Stiegen, vertrieben; am 7. kamen Studenten aus Wien nach Eggenburg und schlichen sich in der Nacht ins Kloster und zwangen auch hier Patres und Brüder das Haus zu verlassen. Wenn's  nicht anders gehe, meinte Fr. Baptist, gehe er zu einem Bauern als Knecht. Und als jemand meinte, ob er wohl nicht bettelarm bleiben müsste, meinte er kurz: "Na, na, so weit wär's wohl nit." Er hätte ja leicht in ein väterliches Heim gehen können. So ging er am Samstag vor dem Passionssonntag mit Fr. Matthäus zum Bauern Hau nach Roggendorf und arbeitete dort wie ein Dienstbote. Da aber 

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die Eggenburger Bürger es erreicht hatten, daß ein paar Patres im Eggenburger Kloster sein durften, kam Fr. Baptist schon am Gründonnerstag wieder zurück ins Kolleg und arbeitete dort wie früher und freute sich, allen dienen zu können. Auf das Kaiserhaus ließ er keine Schuld kommen: "Unser gnädigster Kaiser ist so fromm, er hat nicht die Schuld, Seine Majestät hat es den Bischöfen gesagt, bevor es kam: jetzt ist Zeit zu reden. Allein sie schwiegen still und fanden alles gut und so sind wir heute, wo wir sind. Das Kaiserhaus hat die Andacht zum allerheiligsten Sakramente immer gepflogen und geübt, darum hat es immer Glück."  

Nach und nach sammelte sich in Eggenburg eine große Klostergemeinde, auch da die Kongregation aufgehoben war. Umso dankbarer war Fr. Baptist als Franz Joseph 1. 1852 die Kongregation wieder erlaubt hatte und 1855 deren feierliche Wiedereinführung in Eggenburg am 2. August, am Alphonsustage, mit einem herrlichen Feste begangen wurde. Demütig, doch voll Jubel diente dabei Fr. Baptist als Koch in der Küche.

 

7. Der Gerechte lebt aus dem Glauben.

 

Daraus erwächst die Grundtugend eines Ordensmannes, der Gehorsam. Folgendes ist bezeichnend: einst schickte P. Rektor den Fr. Baptist in Gartensachen ins Stift Geras. Fr. Baptist hat, ihm zu sagen, wann er gehen solle. P. Rektor stellte es ihm frei. Innig bat der Bruder, ihm doch eine Zeit zu bestimmen. Als es ihm P. Rektor wieder frei stellte, traten dem Bruder Tränen in die Augen.  

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Erstaunt fragte man ihn, warum er weine; er gab zur Antwort:  "Ich bin, ins Kloster gegangen, um den Gehorsam zu üben und jetzt soll ich meinen eigenen Willen tun."

"Gehorsam ist das Größte", sagte er, "schauen wir den Herrn Jesus an, der vom Himmel herabgekommen ist um gehorchen zu können“ -  „Wenn wir tun, was die Oberen sagen, so wissen wir, daß wir den Willen, Gottes tun." - "Wir haben es leicht, da wir uns nur an die heilige Regel zu halten brauchen, um nicht irre zu  gehen." --

Genau erfüllte er die Vorschriften der Regeln. Genau und rasch und froh tat er, was ihm auf­getragen wurde. "Das ist jetzt der Wille Gottes", pflegte, er zu sagen. Nie tat er etwas ohne Erlaubnis. - Zum Scherze, befahl ihm im Fasching Pater Rektor, er solle mit einem anderen Bruder tanzen; lächelnd tat es der gute Bruder sofort, trotz seines Fußleidens. Ähnliche Beispiele gäbe es viele. Ein Laienbruder, der ihn besonders beobachtete, sagte sich: “Dem nehme ich etwas wenn ich fortkomme, als Reliquie", da so folgsam nur ein Heiliger sein könne.

 

8. "Ein Unnützer Knecht"

war trotzdem Fr. Baptist in seinen eigenen Augen; Jesus hat ja gesagt: "Und habt ihr alles erfüllet, saget doch, ich bin ein unnützer Knecht. - Denn Demut will der Herr. Lernet von mir, ich bin sanft­mütig und demütig vom Herzen". Demütig vom Herzen war wirklich unser guter schlichter Bruder.  


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"Es gibt zweierlei Heilige", sagte er, "Heilige der Liebe und Heilige der Demut. Die Liebe habe ich nicht, so muss ich mich an, die Demut halten." "Ich bin der Neamd", als man fragte wieso, meinte er: "Nach dem Niemand kommt der "Neamd" und dann erst ich." - Ähnliche Sätze sagte er oft, nie klang es gemacht, es war ihm  ernst damit, er hielt sich für einen Sünder, der nicht verdiene, im Kloster zu sein, armselig sei er, an diese Welt wie angekettet, behindert, in die Höhe zu schweben." Oft hörte man ihn beten: "Mein Gott, erbarme dich meiner, weil ich ein Sünder bin".  

"In allem liebte und suchte er den Winkel", bezeugte sein Oberer. Weisungen der Oberen pflegte er knieend entgegenzunehmen. Als die Redemptoristen vertrieben wurden, wollte er in allem Ernste beim Bauern Nießl "Ochsenknecht" werden. -- Sollten, sie neuerdings vertrieben werden, wollte er wie Benedikt Labre als Bettler durchs Leben gehen. Gütig und sanft war er mit allen. Er war sehr gescheit, machte aber von seiner Einsicht nur Gebrauch, um jemand zu helfen und, zu trösten. Mit Vorliebe übernahm er, die unangenehmen Hausdienste. 

Sozusagen das Kleid der Demut ist die Armut. Fr. Baptist liebte und übte sie. Er tat, als wäre er nicht ein reicher Bauernsohn, sondern ein Bettler von Haus aus. Nur als zur Zeit der Revolution jemand die Sorge äußerte, Baptist werde als schlichter Laienbruder wohl in große Not geraten, sagte er: "So ist es wieder nicht." - Das ärmlichste, sonnenlose Zimmer nahm er sich. Als Kleidung nur Abgetragenes, so dass Bruder Schneider,  

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wenn er etwas fand, was andere nicht mehr brauchen konnten, lächelnd meinte: Fr. Baptist werde es gerne nehmen. Werkzeuge machte er sich selbst, meist schwere, unbequeme, und wenn man etwas kaufen wollte, erklärte er, es sei gut genug für ihn. - Zum Essen nahm er sich mit Vorliebe Reste der Armensuppe, angefaulte Kartoffel usw. Da er das Brot zu backen hatte, buk er für sich ein eigenes aus dem Teig, den er zuletzt vom Backtrog zusammenscharren konnte.

 

9. Ganz innerlich und streng gegen sich

 

war Fr. Baptist, schon von Weitem sah man es ihm an. Gegen andere aber voll Sanftmut und Freundlichkeit. Selbst Novizen fiel es auf, wie freundlich und lächelnd dieser stille, ernste Bruder jeden ansah, der ihm begegnete oder mit dem er zu tun hatte.

Wohl ständig in Religiöses versenkt, tat er sich nicht schwer, das Stillschweigen genau zu halten. Auch, in der Erholungsstunde war er meist still, kam das Gespräch auf Religiöses, wurde er ge­sprächig. - So sehr er seine Strengheiten verbarg, sie konnten nicht unbekannt bleiben.

Denn selbst des Nachts schlief er auf einem Kreuze. Im Sommer besonders stand er schon um 2 Uhr auf, um den Garten zu gießen. Dabei blieb er nüchtern bis halb 11 Uhr vormittags, wo er meist ein paar alte Kartoffel, oder sonstige Speisereste aß. Kaffee oder Wein trank er nicht, es sei zu gut für ihn; als er mit zunehmendem Alter Kaffee und Wein zu genießen von den Oberen gezwungen

 


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wurde, goss er meist Wasser hinein, so tue es ihm besser.

Geißelungen nahm er so unbarmherzig vor, dass Wäsche und Wände die Spuren zeigten. Und fast beständig trug er Bußkettchen; da er nun bei manchen Bewegungen doch zu große Schmerzen fühlte, entrang sich ihm hin und wieder eine leise Äußerung seines Empfindens; fragte man ihn: „Fr. Baptist, was ist" antwortete er: "0 nichts, ich bin bloß SO ungeduldig".

In wahrer Religiosität verlangte er von anderen nie Ähnliches, im Gegenteil ermunterte er, sich zu schonen, zu essen, auch Kaffee und Wein zu trinken: "Sie brauchen es, Sie sind noch jung". --

 

10. "Dies ist unser Beter“  

sagte sein Rektor P. Hamerle, indem er in den Garten auf den dort ganz in sich gekehrten, graben­den und pflanzenden Fr. Baptist wies. "Dieser Bruder", sagte P. Hayker, "rettet durch sein Gebet mehr Seelen als alle unsere Patres durch ihre Predigten“.

Schon um 3 Uhr früh kam er ins Oratorium und betete den Kreuzweg. Dies war seine liebste Andacht; daher betete er ihn auch an Sonntagen um halb 2 Uhr nachmittags den Leuten in der Kirche vor, alle erbauten sich, weil er in Blick und Hal­tung seine Liebe, zum leidenden Heilande zeigte. Bei der Betrachtung und in den Exerzitientagen war er wie der Erde entrückt. Aber auch beim Arbeiten schien er ständig in Gott versenkt. Laute Stoßgebetlein entrangen sich ihm oft, besonders: "Mein sterbender Heiland, erbarme dich meiner".  

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Ein Pater beobachtete, dass der als Aufwecker mühsam die Stiege emporsteigende Fr. Baptist bei jeder Stufe ein Gebetlein sprach. Besonders gern betete er für die armen Seelen, ging Rosenkranz betend auf den Friedhof: "Ich muss meine armen Seelen besuchen und für sie beten."  

Um immer mehr in der Gebetswelt sich zu versenken, las er, mit Vorliebe die Werke der heiligen Theresia und des hl. Alphonsus, am liebsten die des heiligen Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz. Doch sagte er auch einem Mitbruder: "Das ist mein Fehler, ich werde zuviel lesen und zuwenig beten."

 

11. Größte Seelenruhe und Heiterkeit­  

umstrahlten ihn ob seines reichen Innenlebens. Ein Prälat erklärte: "So oft ich den Diener Gottes sah, fühlte ich mich erbaut: so sehr prägte sich in seiner Haltung und in seinem Antlitze die Vereinigung, mit Gott aus. Seine Augen waren meist wie im betrachtenden Gebete gesenkt. Sein abgezehrtes Angesicht schien mir stets wie verklärt durch die Freude, welche das Bewusstsein von der Gegenwart Gottes macht. Ich habe ihn jahrelang bereits sehr gebrechlich gesehen, kann aber bezeugen, dass er die Arbeiten mit Eifer verrichtet und sich in seinem Antlitze immer eine innere Heiterkeit abgespiegelt hat."  

Man merkte, dass er Unangenehmes empfand, doch nie äußerte sich ein Unwille, stets blieb er ruhig und sanft. Nur bei offenkundiger Nichtachtung von Anordnungen der Oberen konnte er etwas ungehalten werden. So machte er auf alle einen tiefen Eindruck, und sagte ein Pater zu einem Freunde,

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