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Gästebuch




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Inhalt
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I. Im
Elternhaus
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Der Vater
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Die Mutter
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Der Onkel
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In der Volksschule
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Jugendzeit
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Der Freund der Kinder
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Ein beliebter Kamerad
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Geachtet von den Landsleuten
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Der Ordensberuf kündigt sich an
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Eintritt in den Orden
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II. Im Orden
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Die Zeit, in der er lebte
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Die ersten Erfahrungen im Orden
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Im Noviziat
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Die Ordensprofeß
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III. Die Persönlichkeit
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Gottesliebe
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Der Beter
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Bei der Arbeit
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Vertrauen zu Maria
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Nächstenliebe
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Liebe zu den Mitbrüdern
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Die Kranken
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Freunde
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| Barmherzige
Liebe
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Selig, die arm sind vor Gott
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Weg der Demut
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Weg der Armut
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IV. Leiden und Tod
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Reif durch Leiden
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Versuchung und Angst
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Es ist vollbracht
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Sein Grab wird herrlich sein
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Bruder Baptist – unser Freund und Fürbitter
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BRUDER
BAPTIST STÖGER
Seit
einigen Jahren ereignet sich in der Kirche ein Neuaufbruch im religiösen
Leben, erfreulicherweise auch bei der Jugend. Menschen beginnen, bewußter
an Gott zu glauben. Es bricht ein neues Beten auf: Beten als Lobpreis
und Anbetung, als Lebensübergabe an Gott. Die hl. Schrift wird
Ausgangspunkt für das Gebet. Man entdeckt die Vorbilder der Nachfolge
Christi neu, etwa den Weg eines hl. Franz von Assisi oder einer hl. Theresia
von Avila. So wächst auch ein neues
Verständnis für den Ordensberuf. Wir wollen im folgenden den Weg eines
einfachen Ordensbruders aus dem Orden der Redemptoristen nachgehen, der
in vorbildlicher Weise Christusnachfolge verwirklichte, Bruder
Baptist Stöger. Er stand nicht im Lichte der Öffentlichkeit, er
war ein einfacher Arbeiter, nämlich Gärtner im Redemptoristenkloster
Eggenburg in Niederösterreich. Da er nicht Priester war, sondern «nur»
Ordensbruder, ist sein Leben nicht ohne weiteres jedem verständlich. Für
ein solches Leben braucht es eine große Liebe. Das Leben des
Ordensbruders ist getragen von den Gelübden, in welchen er sich ganz
Christus übereignet. Er kann sich, irdisch gesehen, keinen Gewinn
ausrechnen: weder Lohn für seine Arbeit, noch Ansehen bei den Menschen
wegen großer Leistungen. Es ist ein bescheidenes Leben, ausgefüllt von
vielen Diensten für andere. Auf diesem Weg wird Johann Baptist Stöger
ein vorbildlicher Christ, von dem die anderen sagen: «Dieser Mensch ist
ein Heiliger!» Wir möchten sein Andenken leben-
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| dig erhalten,
weil wir glauben, daß auch wir heute einiges von ihm lernen können. So
möge dieses Büchlein Anregung und Hilfe sein für alle, die auf der
Suche sind nach Gott, und Ermutigung für jene, denen nicht irgendein
Gewinn genügt, sondern die sich auf- machen möchten, den einen «Schatz
im Acker» und die eine «kostbare Perle» zu finden (vgl. Mt. 13, 44
– 46).
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I.
IM ELTERNHAUS
Der
Lebensstil und die Atmosphäre des Elternhauses sind erfahrungsgemäß
von entscheidender Bedeutung für das Leben eines Menschen. Erlebnisse
der Kindheit prägen sich besonders tief in den Grund der Seele ein und
können Hilfe oder Hindernis für die spätere Entfaltung der Persönlichkeit
werden. Wenn wir daher den Menschen Johann Stöger, unseren Bruder
Baptist, näher kennenlernen wollen, müssen wir zuerst nach seiner
Herkunft und seinem Elternhaus fragen. Johann Stöger wird am 4. Oktober
1810 in Enzersfeld bei Wien, einem Ort im Weinviertel, geboren. Seine
Eltern sind Josef Stöger und Elisabeth, geb. Heindl. Sie bewohnen das
Haus Nr. 33, zu dem eine ansehnliche Landwirtschaft, ein sogenanntes
Halblehen mit Weingarten, dazugehört. Das Leben im Hause Stöger ist
von Grund auf religiös geprägt. Sie beten gemeinsam in der Familie,
gehen viermal im Jahr gemeinsam zur Beichte, halten das Fasten an
Freitagen und in der Fastenzeit gewissenhaft ein und feiern mit Freude
die großen Feste des Jahres in der Kirche und daheim in der Familie.
Der Samstag ist ihnen ein besonderer Tag. Da brennt immer ein Licht vor
dem Bild der Gottesmutter. An Sonntagen gehen sie nicht nur gemeinsam
zum Gottesdienst, sie versammeln sich auch daheim um den
Familientisch zu einer Hausandacht. Der Vater liest aus einer
Hauspostille die Erklärung zum Sonntagsevangelium, Johann darf den
Vorbeter machen.
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Der
Vater
Die
bestimmende Gestalt in der Familie Stöger ist der Vater. Er wird uns
geschildert als fleißiger, pflichtbewußter Mann von strenger
Lebensauffassung. Er ist streng zu sich selbst und fordert nichts von
den Seinen, was er nicht selber zuerst erfüllt. Obwohl sie einen
Weingarten besitzen, trinkt er täglich nur sein genau bemessenes
Quantum, an Freitagen enthält er sich ganz vom Wein. Grundsätze hält
er lückenlos durch. Selbst als einmal der Christtag auf einen Freitag fällt,
kann ihn sein Sohn nicht dazu überreden, ein Glas Wein zu trinken.
Ebenso grundsatztreu ist er in seinen Fastengewohnheiten. Mag die Arbeit
noch so schwer sein, an kirchlichen Fasttagen nimmt er weder Frühstück
noch Jause. Äußerliche Frömmigkeitsübungen und Strengheiten sagen
nicht alles über den Wert eines Menschen vor Gott. Ent- scheidend ist
das Herz und die Liebe. Josef Stöger ist auch ein liebender Vater. Er
freut sich über seine Kinder, die Gott begabt hat mit einem wachen
Verstand und einem für das Gute offenen Gemüt. Auf Gott hin ist sein
Herz gerichtet, mit Dank und Stolz erfüllt, wenn er sie vor sich sieht
und aus ihren Augen die Unschuld leuchtet, klar und ungetrübt. «Kinder,
wenn ihr jetzt sterben tät’, ich ließe euch mit ganzer Musik
begraben!» – ruft er einmal in heller Freude aus. Er will seine
Kinder auf das Wesentliche hinführen und ist äußerlichem Getue
abgeneigt. Einmal möchten sie so gern an der Fronleichnamsprozession zu
St. Stephan teilnehmen, wo der Kaiser und der ganze Hofstaat mitgeht.
Der Vater aber lehnt ab mit den Worten: «Da wird nur geschaut und
nichts gebetet. Ihr könnt am Sonntag zur Prozession in die Rossau
hineingehen!»
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Die
Mutter
Friedrich
Schiller schreibt im Lied von der Glocke: «Wo das Strenge mit dem
Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten
Klang.» – Auf die Stöger’schen trifft dieses Wort im besten Sinne
zu.
Elisabeth
Stöger ist eine treue Gattin und Mutter. Sie leistet an der Seite ihres
tatkräftigen Gatten täglich ihren Anteil an Arbeit in der
Landwirtschaft und bringt noch genügend Zeit und Kraft für ihre Kinder
auf. Als Mutter erfährt sie auch viel Leid. Die ersten beiden Kinder,
denen sie das Leben schenkt, sterben bald nach der Geburt. Dann kommt
Johann zur Welt. Mit welcher Sorgfalt umhegt sie ihn, damit ihm ja
nichts zustößt! Gott segnet ihre fürsorgliche Liebe. Auf Johann
folgen noch fünf weitere Kinder, zwei von ihnen sterben im
Kleinkindalter. Rosina, Theresia und Anna Maria wachsen mit Johann auf.
Die beiden letzteren wählen später den Ordensberuf und werden
Redemptoristinnen, Rosina heiratet einen gewissen Salomon und übernimmt
das väterliche Erbe, nachdem Johann ins Kloster geht. Von ihr stammt
unser Wissen über das Elternhaus und über Johann vor seinem Eintritt
in das Kloster. Rosina berichtet wenig über die Mutter. Doch das wissen
wir, daß die Mutter es ist, die später zum Ortspfarrer geht, um ihrem
Sohn den Eintritt in den Redemptoristenorden zu ermöglichen.
Der
Onkel
Neben
dem Vater übt noch ein Mann auf die innere Entwicklung Johanns einen
entscheidenden Einfluß aus: sein
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Onkel
Michael. Er ist der Bruder des Vaters und besitzt ein Gut in Hagenbrunn.
Seine Ehe ist kinderlos, und so schenkt er seine ganze Zuneigung dem
Neffen Johann, den er seinen kleinen «Goldkäfer» nennt. Onkel Michael
ist ein belesener und frommer Mann. Seine Frömmigkeit drückt sich vor
allem darin aus, daß er oft wallfahrten geht, zu den kleinen
Wallfahrtsorten der Umgebung und nach Wien hinein. Gern nimmt er auch
den kleinen Johann mit. Auf diese Weise lernt der Bub schon früh alle
Kirchen Wiens kennen, nicht nach ihrer künstlerischen Bedeutung,
sondern als Stätten des Gebetes. Was mag in dem Buben vor sich gehen,
wenn er so mit seinem Onkel auf Pilger- fahrt geht? Sicher ist, daß in
ihm der Wunsch heranreift, Priester zu werden. Sein Onkel weiß sehr
viel zu erzählen. Er kennt sich aus in der Kirchengeschichte, im Leben
der Heiligen und im religiösen Schrifttum seiner Zeit. Wir wissen, daß
er die Schriften des heiligen Alfons von Liguori besonders schätzt. Er
weiß auch um den Einfluß des heiligen Klemens Maria Hofbauer auf das
Glaubensleben von Wien. Sicher kommen die beiden in die Kirche Maria am
Gestade, wo die Schüler des heiligen Klemens wirken. Wer konnte damals
wissen, daß Johann hier einmal ins Kloster eintreten würde?
In
der Volksschule
Johann
erlebt eine unbeschwerte Kindheit. Er findet bei seinen Eltern
Geborgenheit und jenes Maß an Zuwendung, das jedes Kind braucht, damit
sich seine guten Anlagen recht entfalten können. Er geht gern zur
Schule und seine Leistungen sind über-
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| durchschnittlich.
Des öfteren wird er vom Lehrer ausgezeichnet. Einmal, als ihn dieser am
Tag nach der Prüfung zu sich rufen läßt, erschrickt der Vater: «Hast
du vielleicht etwas angestellt?» Doch die Angst war unbegründet. Der
Bub kommt mit einem schönen Buch nach Hause, das ihm der Lehrer überreicht
hat mit den Worten: «Das geb’ ich dir als Prämie, weil du es
so brav gemacht hast. Bleib so brav und fleißig wie bisher!» Die
Eltern legen großen Wert auf den Religionsunterricht. Fleißbildchen,
die der Bub für braves Aufsagen des Katechismus wiederholt nach Hause
bringt, werden in der Familie aufbewahrt bis in die nächste Generation.
Johann ist auch fleißiger Ministrant. Er steht immer schon früh auf,
um recht «zeitig» in der Sakristei zu sein. Denn wer als erster
da ist, darf auch ministrieren. «Die anderen Buben nahmen ihm
das gar nicht übel», sagt uns seine Schwester, «denn sie haben ihn
alle gar so viel gern gehabt.» Onkel Michael bemüht sich, das Talent
seines geliebten Neffen zu fördern. Er schenkt ihm manches schöne
Buch, denn der Bub liest sehr gern. Wenn sie beide nach Wien hin-
einkommen, durchstöbern sie des öfteren die
Antiquariatsbuchhandlungen, um wertvolle Lektüre zu erwerben. Johann
legt sein ganzes Ministrantengeld in Büchern an, später auch, was er
sich dazuverdient. Im Laufe der Zeit sammelt sich eine kleine «Fachbibliothek»
an: Weltgeschichte und Ge- schichte Österreichs, Stolbergs
Kirchengeschichte mit ihrer langen Reihe von Bänden, Bücher über den
Glauben und das geistliche Leben. Die Schriften des heiligen Alfons schätzt
auch Johann sehr. Als er eines Tages auf dem Trödlermarkt ein Bild
dieses Heiligen findet, kauft er es und hängt es zu
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Hause
auf. Oft zündet er davor ein Lichtlein an und betet gern zu diesem
Heiligen.
Jugendzeit
Johanns
Begabung und geistige Aufgeschlossenheit hätten ihn ohne weiteres für
ein Studium befähigt. Wir wissen nicht, ob er einmal von irgend jemand
daraufhin angesprochen wurde. Vielleicht doch von seinem Heimatpfarrer?
Jedenfalls spricht er selbst nach dem Schulaustritt seinem Vater gegenüber
den Wunsch aus, Priester zu werden. Der Vater ist überrascht und
antwortet kurz und bündig: «Das kostet zu viel Geld. Es sind zu viele
Kinder, wie sollen wir das leisten? Und am Ende würdest du vielleicht
doch nur ein ’Schreiber’ werden!» – was für den Vater so viel
bedeutet wie ein gottloser Mensch. Johann muß sich fügen. Innerlich
aber gibt er nicht auf und trägt seine eigenen Gedanken still bei sich.
Mit 15 Jahren muß er die Pferde übernehmen. Nach Gepflogenheit seiner
Zeit dient ihm nun der Pferdestall auch als Schlafstätte. Er widmet
sich ganz der Arbeit zu Hause und bewahrt sich dabei sein sonniges Gemüt.
Immer ist er gut gelaunt, freundlich zu jedermann und hat richtig Freude
an seinen Pferden. Der Vater ist stolz auf seinen Sohn und sieht
selbstverständlich in ihm den zukünftigen Erben seines Hofes. Er kauft
ihm zwei schöne «Bräunl», die fortan zum Stöger Johann dazugehören
und mit denen er Aufsehen macht, wenn er durch’s Dorf fährt. Johann
bleibt bei all dem seiner Liebe zu den Büchern treu. Aus einem Buch
lesend sitzt er auf seinem Wagen, wenn er nach Wien hineinfährt; mit
einem Buch in der Hand
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erscheint
er zum Essen, den Büchern widmet er die Zeit, die andere der Erholung
schenken. Wenn die Mutter Brot backt, läßt er sich wecken, um bei
ihrem Licht zu lesen. Und seine Schwestern klopft er oft an Sonntagen
schon früh aus dem Bett, weil in ihrem Zimmer sein Bücherkasten steht:
«Schwestern, steht’s auf, daß i zu meinen Büchern kann!»
Jugendlicher Ungestüm und eine direkte Art, das ihm Wertvolle
durchzusetzen, reißen ihn so mit sich fort, daß er keine Rücksicht
auf seine Geschwister nimmt. Er hat noch einen weiten Weg vor sich bis
zu jenem zarten Verständnis für andere, das ihn als Ordensmann
auszeichnen wird. Die Jugendzeit ist für gewöhnlich eine Zeit des
Suchens und Werdens, eine Zeit der Krise mit sich selbst, der kritischen
Auseinandersetzung mit der elterlichen Autorität und auch mit der
Religion. Johann hat anscheinend sehr bald zu sich selbst gefunden. Die
religiöse Krise erschüttert kaum sein Inneres, er findet sehr früh zu
einer klaren persönlichen Gottesbeziehung. Aus dieser Quelle lebt er.
Das gibt ihm Kraft und innere Sicherheit und läßt ihn immer deutlicher
seinen Weg erkennen. Er führt ein sehr intensives religiöses Leben.
Das Gebet wird Ausdruck seiner inneren Gottverbundenheit. Es drängt ihn
förmlich zum Gebet, ein Wesenszug, der dann im Ordensleben besonders
deutlich hervortritt.
Ein
Freund der Kinder
Der
Stöger Johann besitzt eine eigenartige Ausstrahlung. Er liebt die
Kinder und die Kinder lieben ihn. Wenn er mit seinen Pferden daherfährt,
rufen sie begeistert: «Der Stöger Johann kommt!» Dann setzt er
seine kleinen Freunde gern
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auf’s
Handpferd und hat mit ihnen seinen Spaß. Der kleine Eigner Johann
wollte auch schon reiten, obwohl er noch nicht beten konnte. Da gab’s
aber diese Ausnahme nicht! Johann nimmt ihn nicht eher auf sein Pferd,
als bis er das Vaterunser ordentlich beten kann. Jedes Jahr wird er
angegangen, «Firmgöd» zu machen. Alle Knaben von Enzersfeld hätten
ihn gern als Firmpaten gehabt. «Einmal hätte er sogar sieben oder acht
Firmlinge auf einmal gekriegt», erzählt Rosina. Da es Johanns Freude
ist, Kindern Freude zu machen, entspricht er auch nach Möglichkeit
diesen Bitten. Bietet sich ihm doch dadurch die erwünschte Gelegenheit,
arme Kinder ausgiebig zu beschenken, wie es dem Edelmut und Wohlstand
seines Vaters ent- spricht. Seine Firmlinge wissen aber, daß es ihm
zuerst um die religiöse Seite der Firmung geht. Allein schon sein
Beispiel ist geeignet, sie auf das Wesentliche des Firmsakramentes
hinzulenken.
Ein
beliebter Kamerad
Zu
den Burschen seines Alters hat Johann guten Kontakt. Er wird von ihnen
geachtet und anerkannt. Wenn er auf Wallfahrt geht, finden sich immer
auch einige andere Burschen ein, um mit ihm zu gehen. Da brechen sie um
Mitternacht auf und gehen, unterwegs den Rosenkranz betend, nach Maria
Lanzendorf, Maria Enzersdorf oder auch nach Wien hinein und ziehen dort
den halben Tag von einer Kirche zur andern. Ein Stück Brot von zu Hause
oder ein Paar Semmeln, die sie sich kaufen, sind ihre ganze Verpflegung.
In ein Gasthaus kehren sie niemals ein. Johann geht grundsätzlich nicht
ins Gasthaus, auch zu Hause nicht.
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Dazu
noch eine amüsante Episode: Eines Tages, als Johann gerade im Hof
arbeitet, kommt eine Zigeunerin, eine Wahrsagerin, daher. Sie wolle ihm
die Zukunft prophezeien, sagt sie zu ihm. «Schau nur, daß du
weiterkommst, ich brauche keine Wahrsagerei!» gibt er ihr forsch zurück.
Darauf beginnt sie zu schmähen: «Reuen dich die paar Groschen, die es
kosten würde, daß du sie nicht ins Wirtshaus tragen könnt’st?» «Jetzt
hast du bewiesen, daß du das Wahrsagen kannst; ich geh’ nämlich gar
nie ins Wirtshaus», beschließt er die zudringliche Auseinandersetzung.
Daraufhin zieht die Zigeunerin kleinlaut ab.
Geachtet
von den Landsleuten
Johann
teilt mit seinen Landsleuten den Rhythmus des bäuerlichen
Arbeitsjahres. Woche für Woche fährt er wie sie nach Wien hinein, mit
Gemüse auf den Naschmarkt oder mit der
Milchlieferung. Er zeigt sich geschickt zu jeder Arbeit, ein
tatenfroher, sympathischer junger Mann, der von allen geachtet und geschätzt
wird. Manches Mädchen begegnet ihm sehr gern, denn sicher wäre er als
Bräutigam keine schlechte Partie. Doch gerade was Mädchen betrifft,
weiß man bei ihm nicht, wie man dran ist; auch seine Eltern und seine
Schwestern sind sich in diesem Punkt nicht klar. Er verhält sich den Mädchen
gegenüber eher distanziert, für «dummes Geschwätz» hat er nichts übrig.
Der
Ordensberuf kündigt sich an
Es
fällt auf, daß der Stöger Johann in religiösen Dingen einen eigenen
Weg geht. Er fährt monatlich nach Wien hinein,
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| um zur Beichte
und zur Kommunion zu gehen. Nach dem Tod des «guten Pater Maximus» bei
den Serviten in der Rossau findet er in Pater Madlener in Maria am
Gestade seinen Beichtvater. Damit beginnt seine Beziehung zu den
Redemptoristen, die sicher auch dazu beiträgt, daß er später in Maria
am Gestade als Kandidat aufgenommen wird. Es ist etwas Ungewöhnliches,
daß dieser junge Mann hinneigt zu einer gewissen Leidens- und
Kreuzesmystik. Sind es die Schriften des heiligen Alfons, die ihn
dahingehend beeinflussen, oder trägt er verborgen in seinem Inneren ein
tiefes Leid? Wenn er auf’s Feld hinausfährt oder am Hof seine Arbeit
tut, singt er leise vor sich hin: «Laß mich deine Leiden
singen... » Als Ordensbruder wird er sich einmal bewähren als ein großer
Dulder und Kreuzträger. Ist dies schon jetzt geheimnisvoll der Weg
Gottes mit ihm? Er verehrt innig den Gekreuzigten und die Gottesmutter.
Jeden Freitag zündet er beim Kreuz ein Lichtlein an und am Samstag genügt
ihm nicht das Licht, das in der Stube beim Bild Mariens brennt, er muß
sein eigenes haben. Am Samstagabend wird in der Kirche von Enzersfeld
immer der Rosenkranz gebetet. Zu den Jahreszeiten, wo die Feldarbeit be-
sonders drängt, sind es nur einzelne Leute, die zu dieser Andacht
kommen. Johann steht an solchen Samstagen eigens früher auf, damit er
abends rechtzeitig von der Arbeit los- kommt, um zum Rosenkranz zu
gehen. Und wenn er allein im Stall schläft, widmet er vor dem
Schlafengehen und nach dem Aufstehen längere Zeit dem Gebet. Man
entdeckt auch, da8 er vor hohen Festen und Marienfeiertagen nicht im
Bett, sondern auf der Futtertruhe schläft.
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Eintritt
in den Orden
Als
Johann das 24. Lebensjahr erreicht hat, ist es an der Zeit, den Vater,
«der bereits ins Alter ging», in der Führung des Hofes abzulösen.
Doch Johann macht keine Anstalten dazu. Da ergreift der Vater die
Initiative und fragt ihn eines Tages, wie’s denn bei ihm mit dem
Heiraten stünde? Der Sohn
antwortet: «Vater, heiraten tu i nit, eher geh’ ich zum Militär!»
Eine harte Antwort für den Vater. Er nimmt sie
aber hin, ohne Groll, denn schließlich
kennt er seinen Johann, der «so auf’s Beten eingestellt ist». Und
was sie alle schon
vermutet haben, ist jetzt klar: Johann will ins Kloster gehen! Der Vater
will ihm kein Hindernis in den Weg legen wenn Gott es so bestimmt hat.
Er wird sich umschau’n um einen braven Knecht, den er zu den Pferden
stellen kann. Rosi na kann ja einmal den Hof übernehmen, und Johann
soll seinen Weg gehen können. Das «Klostergehen» ist aber gar
nicht so einfach. Johann fragt in Wien drinnen bei den Redemptoristen,
Franziskanern und Jesuiten an, doch nirgends wird er aufgenommen Man
kann keinen Landwirt beschäftigen, heißt es, und Hand werk hat Johann
keines gelernt. Da macht er noch einen Versuch bei den Barmherzigen Brüdern.
Aber auch dort wird er abgewiesen,
alles erscheint so hoffnungslos. Da kommt eines Tages der alte
Franziskanerbruder Didakus zur jährlichen Weinsammlung ins Haus. Johann
träg ihm sein Anliegen vor und meint, er würde auch ins Heilige
Land zu den Franziskanern gehen, wenn
sie ihn nur nähmen Bruder Didakus aber winkt ab: «Das ist nicht dein
Weg, Johann. Versuch es noch einmal bei den ehrwürdigen Priestern des
Pater Hofbauer in Maria am Gestade. Das ist dein Beruf!»
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| Schließlich
nimmt sich die Mutter der Sache an. Sie geht zum Ortspfarrer, P. Pius
Wagner OSB, und ersucht ihn um eine Empfehlung für Johann. Der Pfarrer
kommt ins Haus, um in einem längeren Gespräch, «in einer strengen Prüfung»,
von Johann zu erfragen, warum er Ordensbruder werden wolle. Dann
schreibt er an Pater Passerat, den Nachfolger des heiligen Klemens in
Maria am Gestade. Das Ansuchen hat Erfolg. Johann darf kommen. Seine
Beweggründe für den Eintritt in den Orden sind einwandfrei und lauter.
Am Neujahrstag 1836 gibt es im Hause Stöger eine ergreifende
Abschiedsszene. Mutter, Vater und Schwestern, alle weinen sie zusammen,
weil Johann sie verläßt. Am nächsten Morgen bringt der Vater seinen
Sohn mit dem Wagen nach Wien hinein, ausgestattet mit einer Aussteuer
von 5000 Kronen und drei Bündeln, vollgestopft mit Büchern. Es ist wie
ein Opfergang. Der Vater bringt das Opfer seines Herzens – seinen
Sohn, um ihn dem Herrn zu schenken. Für Johann aber, der im November 25
Jahre alt geworden war, geht der Wunsch seines Lebens in Erfüllung –
als er in das Kloster Maria am Gestade eintritt und damit in die
Kongregation der Redemptoristen.
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